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Rückenschmerzen lindern: Warum sanfte Bewegung oft besser als Schonung ist

Laut SWR ist Bewegung bei Rückenschmerzen grundsätzlich sinnvoller als Bettruhe, rund 26 Millionen Menschen in Deutschland hätten häufig damit zu tun.

Rückenschmerzen lindern: Warum sanfte Bewegung oft besser als Schonung ist

Im Gespräch mit dem Wirbelsäulenspezialisten und Chirurgen Dr. Bernd Wiedenhöfer von der Atos Klinik in Heidelberg empfiehlt er vor allem wechselnde Positionen und regelmäßige Aktivierung. Die wichtige Grenze: Bei neurologischen Warnzeichen wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen sollte ärztliche Hilfe nicht aufgeschoben werden.

Bewegung statt Schonung

Wiedenhöfer rät ausdrücklich davon ab, sich bei Rückenschmerzen ins Bett zu legen und abzuwarten. Stattdessen geht es um eine moderate Aktivierung mit häufigen Positionswechseln im Alltag.

Als Orientierung nennt er etwa 20 Minuten Bewegung pro Tag, durch die ein guter Trainingseffekt erzielt werden könne. Dieser Effekt wirke bei einem großen Teil der Rückenschmerzen. Allerdings ist Bewegung für ihn nicht nur eine körperliche Maßnahme: Sie unterbricht den Alltag, bringt an die Luft, lenkt die Gedanken um und kann das Vertrauen in den eigenen Körper stärken.

Für die praktische Umsetzung bedeutet das: Nicht in einer schmerzhaften Position verharren, sondern die Belastung unterbrechen und bewusst in Bewegung bleiben. Entscheidend ist dabei nicht ein besonders anspruchsvolles Programm, sondern ein verlässlich in den Tagesablauf integrierter Anteil an Aktivität.

Wann ärztliche Hilfe nötig ist

DasSWR-Gespräch unterscheidet zwischen Beschwerden, bei denen Bewegung unterstützen kann, und sogenannten roten Flaggen. Zu letzteren zählen laut Wiedenhöfer unter anderem Gefühlsstörungen und Lähmungen. Solche Zeichen sollten nicht einfach hingenommen oder mit einer längeren Schonphase beantwortet werden, sondern erfordern ärztliche Abklärung.

Auch bei der Physiotherapie gibt es unterschiedliche Erfolgsaussichten. Bei muskulären Problemen im Bereich der Wirbelsäule bezeichnet Wiedenhöfer sie grundsätzlich als guten Ansatz. Bei neurologischen Problemen, etwa einem Bandscheibenvorfall, kann sie helfen, muss es aber nicht. Die Einordnung der Beschwerden bleibt daher entscheidend, bevor Bewegung als Behandlung eingeleitet wird.

Zusätzlich verweist SWR auf knappe Physiotherapiekapazitäten und schwer zu erhaltene Termine. Das mag den Start einer Behandlung verzögern, ändert aber nichts daran, dass Warnzeichen zunächst medizinisch geklärt werden müssen.

Stress und Trauer gehören zur Vorgeschichte

Rückenschmerzen können laut Wiedenhöfer auch durch Stress oder Trauer verstärkt werden. Er beruft sich auf klare wissenschaftliche Daten und beschreibt eine psychosomatische Komponente des Schmerzes.

In seiner Erklärung führt stärkerer Muskeltonus unter psychischem Druck zu funktionellen Schmerzen sowie zu Muskel- und Gelenkproblemen. Deshalb sollte die persönliche Belastungssituation in der ärztlichen oder physiotherapeutischen Vorgeschichte nicht ausgeblendet werden. Neben körperlichen Befunden gehören dazu auch relevante Belastungen im Beruf, familiäre Probleme oder Trauer.

Für den Alltag ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge: regelmäßige Bewegung mit wechselnden Positionen aufbauen, neurologische Warnzeichen zeitnah abklären lassen und Stress sowie Trauer als mögliche Einflussfaktoren im Gespräch berücksichtigen.