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Chronische Schmerzen überwinden: Wie Betroffene ihre Lebensqualität zurückgewinnen

Laut einem Interview mit Christoph Burkl, Ärztlichem Leiter der Schmerzmedizin und konservativen Orthopädie an der RoMed Klinik Prien am Chiemsee, berichtet etwa jeder zweite Betroffene von spürbaren Einschränkungen in Beruf und Alltag.

Chronische Schmerzen überwinden: Wie Betroffene ihre Lebensqualität zurückgewinnen

Chronische Schmerzen: Warum einzelne Maßnahmen oft nicht ausreichen

Schätzungen gehen von 10 bis 20 Prozent der Erwachsenen aus, manche Erhebungen nennen sogar bis zu einem Drittel – je nach Definition. Wer betroffen ist, sucht im Schnitt über zwei Jahre nach einer passenden Behandlung. Das Interview zeigt, warum dieser lange Weg häufig mit einzelnen Maßnahmen beginnt, die reaktiv bleiben, und was stattdessen hilft.

Das Schmerzgedächtnis erklärt, warum Schmerz bleibt

Chronische Schmerzen gelten als Beschwerden, die länger als drei Monate anhalten oder immer wiederkehren – etwa Rücken-, Gelenk- oder Nackenschmerzen. Ab diesem Zeitpunkt bildet sich häufig ein sogenanntes Schmerzgedächtnis: Das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft und sendet weiter Schmerzsignale, auch wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeklungen ist.

Für die Therapie hat das eine direkte Konsequenz: Wer nur die einst auslösende Struktur behandelt, greift zu kurz. Stress, Ängste, Schonhaltungen und soziale Faktoren wirken mit und halten den Schmerz aufrecht. Rein passive Maßnahmen – etwa allein Massagen oder Injektionen – können temporär entlasten, bauen das Schmerzgedächtnis aber nicht ab.

Was Betroffene prüfen können: Wenn Beschwerden trotz wiederholter Einzelbehandlungen nach drei Monaten bestehen bleiben, lohnt der Wechsel von der Symptombehandlung hin zu einem breiteren Ansatz. Die Kombination aus verschiedenen Bausteinen vergrößert laut Burkl die Chance, dass Menschen wieder aktiver und belastbarer werden.

Multimodale Therapie als Route, nicht als Sammlung

Burkl beschreibt seinen klinischen Ansatz als bewusste Kombination mehrerer Elemente: ärztliche Behandlung, Physiotherapie, Bewegungstraining, psychologische Begleitung, Entspannungsverfahren sowie ergänzend etwa Yoga- und Kunsttherapie. Entscheidend ist dabei nicht nur das Vorhandensein einzelner Bausteine, sondern ihre enge Verzahnung: Die Elemente sollen aufeinander aufbauen.

Im stationären Setting zeigt sich das in einem strukturierten Tagesablauf: medizinische Visiten, Physiotherapie und Bewegungseinheiten, psychologische Gespräche, Üben von Entspannung, ergänzende Angebote – und dazwischen alltagsnahe Aufgaben, die helfen, neue Routinen zu verankern. Stationär sei es möglich, täglich zu justieren und unmittelbar zu reagieren, so Burkl.

Stationäre Behandlung empfiehlt er, wenn ambulante Maßnahmen ausgeschöpft sind, zusätzliche psychosoziale Belastungen bestehen oder eine enge Verzahnung vieler Therapieelemente in kurzer Zeit sinnvoll ist.

Praktischer Ausgangspunkt für den Weg zurück: Wer ambulant startet, kann sich orientieren an drei Prüfpunkten:

  • Findet die Behandlung mehrere Faktoren – Körper, Bewegung, Psyche – gleichzeitig auf?
  • Gibt es ein verständliches Bild der eigenen Belastungsgrenze und ein planbares Aufbauprogramm?
  • Werden Schonhaltungen und ungünstige Bewegungsmuster aktiv umtrainiert, statt sie nur passiv zu kompensieren?

Konservative Orthopädie vor dem Skalpell

Ein weiterer Schwerpunkt von Burkls Team liegt in der konservativen Orthopädie. Sein Leitsatz: Nicht immer ist eine Operation die beste Lösung. Häufig lassen sich Beschwerden durch gezielte Übungen, das Umlernen ungünstiger Bewegungsmuster, Muskelaufbau und ein gutes Verständnis der eigenen Belastungsgrenze deutlich reduzieren. Die Faustformel: stärken, was trägt – mit möglichst wenigen Nebenwirkungen.

Wer über eine Operation bei Rücken- oder Gelenkschmerzen nachdenkt, sollte laut diesem Ansatz prüfen, ob die genannten konservativen Bausteine bereits ausgeschöpft sind. Nicht als Verzögerung, sondern als Voraussetzung dafür, dass ein etwaiger Eingriff nachhaltig wirken kann.

Was Burkl im Interview betont: Viele Betroffene möchten vor allem verstehen, warum ihre Schmerzen bestehen. Diese Klärung bildet in seiner Klinik den Ausgangspunkt der Behandlung. Wer chronische Schmerzen hat, beginnt also nicht bei der Therapie, sondern beim Verständnis des eigenen Schmerzgeschehens – und geht dann Schritt für Schritt zurück zu mehr Lebensqualität.

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